Runde 13: Jahrelanger Höhenflug entwickelt sich zum freien Fall

Sonntagabend 19 Uhr vor dem Vereinsheim des LSV Rinteln. Ein paar wenige Piloten sitzen mit hängenden Köpfen zusammen und nippen schweigend an ihren Getränken. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Der sonnige Himmel unter dem man gerade sitzt hat sich erst viel zu spät am Nachmittag durchgesetzt. Wieder einmal war an einem Wochenendtag gar kein Flug möglich und der Sonntag startete, ebenso zum wiederholten Male, mit schwierigen Bedingungen. Über die Chance einer Titelverteidigung redet zwar keiner mehr, aber der Wille einen Treppchenplatz zu ergattern war ungebrochen.

So organisierte man, als Ersatz für die immer noch defekte eigene Motormaschine, eine Schleppmaschine aus dem benachbarten Bückeburg für die Bundeslegisten. Jan Felix Füller kam über den Berg angeflogen und schleppte die Rintelner Segler an einen grauen Himmel, bevor er wieder zurück zu seinen Vereinskollegen flog.

Christine Grote, die als einzige unmotorisiert war, musste in der ersten Phase des Fluges immer wieder Krisenmanagement betreiben, um nicht gleich zu Anfang auf einem der frisch gemähten Äcker zu enden.

Grote’s Blick aus dem Discus…der guter Blick auf den Zirkus bedeutet, unangenehm tief zu sein

Lediglich das Duo Reinhard Schramme mit Rolf Bödeker im Doppelsitzer und Sohn Daniel Schramme im Einsitzer, der extra am frühen Morgen aus Hamburg angereist war um seine Mannschaft zu unterstützen, erwischten als Erstgestartete eine gute Linie.

Grote die diese Linie deutlich später und nicht mehr in der Aufbauphase erreichte kommentierte diese am Abend mit den Worten: „Immerhin hatten wir 38 km lang Bedingungen wie auf der schwäbischen Alb!“ Denn in diesen 38 km musste kein Kreis gedreht werden und man flog mit einer Schnittgeschwindigkeit von 170 km/h nur gerade aus. Aber eben nur 38 km.
Der Blick in die Statistik der Südvereine zeigt dagegen Flüge bei denen eine Stunde und 50 Minuten mit einer solchen Geschwindigkeit nur gerade aus geflogen werden konnte. Also keine Chance für die Rintelner dagegen zu halten.


Nach dem Motto „wenn es kommt, kommt es dicke“, kam der Flug von Daniel Schramme nicht in die Wertung. Ein ganz banales Problem vereitelte ein paar mehr Pünktchen. Der Flugwegschreiber seines Ventus hatte nicht mehr genug Speicherkapazität. Das heißt, der Flug wurde wegen fehlender Speicherkapazität nicht aufgezeichnet.

Am Ende des Tages reichte die erbrachte und dokumentierte Leistung für Platz 17 mit trostlosen 4 Punkten in der Rundenwertung

Den Rundensieg erflog sich die Fliegergruppe Wolf Hirth mit Flügen über 160 km/h, gefolgt von FSC Odenwald Walldürn und der SFG Donauwörth.

Der LSV Rinteln rutscht damit nochmals einen Platz ab und rangiert nun auf Platz 6 der Gesamtwertung. So sehr sich die erfolgsverwöhnten Rintelner eine andere Platzierung wünschen, eine Art schwacher Trost ist es immerhin, dass ihnen das Wetter in dieser Saison bisher einfach keinerlei Chance ließ. Bei dieser Bundesliga geht man davon aus, dass sich die Güte der Wetterlagen überregional ausgleichen, da die Dauer über die ganze Saison geht, in diesem Jahr ist das aber einfach nicht der Fall.

Man hätte kein Problem nach einem Wochenende, an dem man Teil des deutschlandweiten Rennens gewesen wäre, den anderen Vereinen für eine bessere Leistung zu gratulieren. Aber von vornherein zu wissen, dass man eigentlich nur dann eine Chance hat, wenn man wiederholt mit einer Gruppe über die Wochenenden die Flugzeuge per Straßentransport im Anhänger ins gute Wetter zieht, um an irgendeinem anderen Flugplatz in Deutschland zu starten, ist frustrierend und geht auch gegen den Nachhaltigkeitsgedanken, der dem Segelflug innewohnt.

Aber gejammert wurde nur innerlich, still und leise und so wird am kommenden Wochenende wieder eine Crew den Kampf um die Punkte antreten.