
Segelflugwetterbericht für Sonntag den 29.06.2025:
Sonntag verbreitet gute bis sehr gute Wolkenthermik mit Arbeitshöhen um die 1800 Metern am Nachmittag ansteigend auf 2000 Meter, Bewölkung 3-4/8 Bedeckungsgrad mit Cumuluswolken, Steigwerte in Tagesmaximum um die 3 Meter pro Sekunde, Thermikbeginn ca. 10.00 Uhr
So ein Wetterbericht klingt fantastisch, lässt die Segelfliegerherzen höher schlagen und führt wohl in jedem Verein zu erhöhter Betriebsamkeit. Schade nur, dass dies die Wetterprognose für den Bereich Mittel-und Süddeutschland war.
Die unerschütterlichen Rintelner Enthusiasten blenden derlei Prognosen mittlerweile aus, viele lassen sich in den Displays der Vorhersagen schon lange nur noch die Region Nord anzeigen, um nicht immer gegen Neid und Frust auf Grund der diesjährigen erhöhten Benachteiligung durch das Wetter gegenüber den südlichen Regionen mental anarbeiten zu müssen.
Samstag machten sich vier Flugzeuge bereit zur Punktejagd. Lange wartete man auf den Start, da die Thermik erst gegen 12 Uhr einsetzte. Das Startfenster war zudem sehr klein, da die von Westen herannahende feuchte Luft mit Abschirmungen und schlechten Sichtbedingungen die gerade aufkeimende Thermik wieder bremste.
Der Plan sah vor, den für den Tag der Bundeswehr extra vergrößerten Luftraum Bückeburg zu umfliegen, am Süntel in der Thermik auf 800 Meter zu kommen, um dann den Sprung zum Ith in den Hangwind zu wagen. Von dem optimal im Westwind stehenden Mittelgebirge versprach man sich viel, sodass dies mit einem mehrfachen abfliegen, also bis zum Ende des Höhenrückens und wieder zurück, mit in die Wertungsflüge eingebaut werden sollte. Danach, so der Plan, sollte jeder, soweit die Flügel tragen, den letzten und größten Teil des Fluges so schnell es geht Richtung Osten sprinten um dabei den strammen Westwind als Rückenwind zu nutzen, und zwar so lange, bis die zwei Stunden Wertungszeit um sind.
Der Anfang des Plans funktionierte tadellos. Den Einstieg in den Harz konnte jedoch nur das Team Schramme/Bödeker zügig realisieren. Während das Team Gmelin/ Grote im zweiten Arcus wertvolle Zeit beim Einstieg in das höhere Gelände verlor und sich damit im Verlauf des Fluges gute 20 km hinter Schramme und Bödeker befand. Michael Sasse brach den Flug ab, nachdem er einen langen und schweißtreibenden Kampf in niedriger Höhe hinter sich hatte und damit derartig gravierende Zeiteinbußen hinnehmen musste, dass ein Weiterflug nicht mehr sinnvoll erschien.
Gute Linien waren schwer zu finden, aber der stramme Rückenwind machte es möglich, dass man innerhalb des Zweistundenfensters bis kurz vor Dessau kam. Bereits in dieser Phase des Fluges wollten die zwei Besatzungen gar nicht daran denken, wie beschwerlich es werden wird überhaupt wieder nach Rinteln zurück zu kommen, hatte man den tollen Wind ja dann „auf der Nase“. Und so war der Rückweg dann auch in der Tat anstrengend. Viele spannende Tiefpunkte mussten gemeistert werden. Dabei musste man auch bis auf tiefere Höhen abgleiten, an der Brockenstation war man sogar auf gleicher Höhe.
Die Mühe schien sich erst einmal gelohnt zu haben, zeigte die Wertung ein doch sehr erfreuliches Ergebnis. Rinteln lag bundesweit auf Tagesplatz 2.
Dann kam der Sonntag mit dem oben genannten Wetterbericht. Bombig im Süden, mies im Norden. Die anfänglich niedrigen Wolkenuntergrenzen schienen die pessimistische Prognose auch zu bestätigen. Man hatte quasi aufgegeben an diesem Tag die eigenen Flüge des Vortages noch zu toppen und so wurde der Tag genutzt um kleinere technische Mängel zu beheben und die Flugzeuge für den nächsten Einsatz wieder in optimalen Zustand zu versetzen.
