
Langes Wochenende im Juni, da denkt ein Segelflieger natürlich an sommerliches Wetter, mit Thermik und entspannten Überlandflügen. Aber das diesjährige Pfingstwetter enttäuschte nicht nur die wettermäßig anspruchsvollen Segelflieger. Das einzig positive an der Prognose war, dass dieses Schicksal alle Bundesligavereine in Deutschland treffen würde.
In einer Pause vom Theorieunterricht mit Schülern am Freitagabend wurde trotzdem nochmal das Wetter geprüft und siehe da eine Chance kristallisierte sich heraus. Es wurden drei Wetterfenster erkannt, bei denen man mit viel Glück den Hangwind vielleicht nutzen konnte.
Die Schüler, die diesmal mit von der Partie sein sollten, waren Feuer und Flamme und als Reinhard Schramme meinte: “Ich traue es mich gar nicht zu sagen, wir müssten gegen 4.30 Uhr die Flieger startklar machen“, staunte er nicht schlecht über den enormen Enthusiasmus der Truppe.
Da die Schüler im Doppelsitzer fliegen sollten und nur 3 dafür zur Verfügung standen wurden sie kurzer Hand in Früh und Spätschicht eingeteilt. So fand am Samstag bereits mit dem ersten Büchsenlicht ein reges Treiben auf dem Flugfeld in Rinteln statt, dass sogar das jährliche Sunrisefliegen toppen konnte, denn nun waren auch die ambitionierten Streckenpiloten mit dabei.


Natürlich wurde diesen der Vortritt gelassen und so starteten Michael Sasse, Reinhard Schramme mit Copilot Rolf Bödeker und Daniel Schramme als erstes ins Rennen. Die 3 Schüler mit Lehrern folgten auf dem Fuße.
Es war nicht das was man sich erhofft hatte, der Wind war schwächer als angesagt und der Sprung am Ende des Wesergebirges zum Ith ließ sich nicht realisieren. So war es beruhigend im Hinterkopf zu haben, dass ja in ganz Deutschland mit schlechten Bedingungen zu rechnen war.
Schicht eins landetet gegen 8 Uhr morgens, als die ersten kleinen Schauer kamen und der Wind ein wenig schwächelte. Erlebnisreich waren die Flüge für alle. Durch den starken Regen und die hohe Luftfeuchte waren bereits auf Hanghöhe extrem tiefe Wolken entstanden, die man bereits in 500 Metern unter sich hatte. Optisch ein Traum, für eine hohe Schnittgeschwindigkeit eher ein Hindernis.
Nachdem die Flieger vor dem drohenden Regen wieder in die Halle geräumt wurden, ging es zufrieden an den Frühstückstisch. Bis zur nächsten Schicht, so dachte man hat man reichlich Zeit. Aber kaum waren die Brötchen vertilgt, erkannte man, dass ein Auflockerungsgebiet im Anmarsch war und der Wind wieder ein wenig aufgefrischt hatte.
„Wenn, dann jetzt“ war die Devise und schon saß die nächste Schicht startklar in den Flugzeugen. Auch diese absolvierte einen fast 2 stündigen Flug, der noch eine Spur schwieriger war als der erste. Auf dem Rückweg kämpften sie sich durch einen starken Schauer, in dem es ordentlich auf die Segelflieger prasselte, in Richtung Flugplatz.
Michael Sasse erflog sich den ersten Platz innerhalb des LSV Rinteln und führt damit in dieser Saison zum ersten Mal die Vereinswertung an. Aber nicht nur er erntete Anerkennung für seine Leistung, sondern auch Lukas Weihmann mit Fluglehrer Tobias Schmohl, die sich auf Platz 2 wiederfanden, gefolgt von Reinhard Schramme und Rolf Bödeker.
Lange lag der LSV mit diesem Einsatz auf Platz 1 und wurde erst am Sonntag von den Königsdorfern, die am Alpenrand liegen, auf Platz 2 verwiesen. Das war das einzige andere Fleckchen von dem aus man in Deutschland an diesem Wochenende noch einigermaßen punkten konnte.
Insgesamt konnten deutschlandweit lediglich 8 Vereine wetterbedingt überhaupt an dieser Ligarunde teilnehmen. Der gefürchtete Konkurrent vom Odenwald schaffte es zumindest einen Flug in die Wertung zu bekommen. Problem einer Runde mit nur 8 Teilnehmern ist, dass sich die maximal erreichbaren Punkte reduzieren. So bekam der Rundensieger Königsdorf nur 16 statt der üblichen 20 Punkte, der LSV Rinteln folgte mit 15, vor Reinheim mit 14 Punkten.
Rinteln hat sich mit dieser Frühstartaktion auf den 3. Treppchenplatz zurückgekämpft und den Abstand auf die Konkurrenten von Königsdorf und Odenwald um immerhin 3 Punkte verringern können.
Aber abseits von Punkten und Tabellen, hat dieses Wochenende einmal mehr gezeigt, dass Segelfliegen ein Teamsport von Jung bis alt ist und ein Gemeinschaftsgefühl den LSV Rinteln auf Erfolgskurs hält.