
Über mehrere Tage trafen sich Flugschüler des LSV Rinteln, die bereits ohne Fluglehrer fliegen, um sich dem sogenannten 3. Ausbildungsabschnitt zu widmen. Dieser soll den fliegerischen Nachwuchs in die Überlandfliegerei einführen. Sie sollen diesbezüglich das theoretische und praktische Rüstzeug erlernen, das es ihnen ermöglicht vom Platz weg zu fliegen und größere Distanzen nur mit der Kraft der Aufwinde zu absolvieren.
Das Fluglehrerteam Christine Grote und Uli Gmelin hatten ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt, zu dem man sich bereits am Freitag vor Pfingsten traf.
Allein der Überblick über die Vielfalt der Themen von angewandter Meteorologie, Navigation, Nutzung moderner Bordcomputer, Grundlagen zum Thema Außenlanden außerhalb von Flugplätzen, Taktik beim Überlandfliegen und vieles mehr machte dem Auditorium klar, dass, wenn man auf Grund der mäßigen Wetterprognose nicht zum Fliegen kommen wird, werden zumindest die Köpfe rauchen.


Die Bundesliga-Piloten sahen ihre Chance in frühen Starts. Bereits kurz nach Sunrise wollten sie den Hangwind nutzen. Das war eine gute Gelegenheit für den Streckenfluglehrgang, der sich kurzer Hand anschließen wollte. Die Truppe, die am Samstag bereits um halb 5 die Hallentore aufschob, war somit so groß wie noch nie um diese Uhrzeit. Beim jährlichen Sunrisefliegen sind nämlich nicht alle „alten Hasen“ dabei und bei einem Bundesligaflug am Hang zu Sunrise, fehlen die Schüler. Nun waren aber beide Gruppen zu Gange.
Schnell war mit Tobias Schmohl ein dritter Fluglehrer gefunden, so dass drei Schüler-Lehrer Teams in Doppelsitzern folgten.


Die Nachwuchspiloten erfreuten sich am Spiel der Wolken, die am Hang bereits in 500m teilweise unter ihnen war. Spannend auch deswegen, weil der Wind nicht allzu stark war und somit sehr hohe Konzentration gefordert war um keine wertvollen Höhenmeter zu verlieren. Wenn zu nicht optimalen Steigbedingungen noch eine angespannte Außenlandesituation hinzu kommt, ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Die Schüler mussten fortlaufend neue Felder ausfindig machen, auf denen sie im Fall der Fälle sicher landen könnten. Das hohe Korn entlang des Wesergebirges, reduzierte die Auswahl an landbaren Flächen erheblich. Schnell war der Blick für Felder mit jungem Mais geschult, der im Moment auf Grund der noch niedrigen Bewuchshöhe am geeignetsten ist.
Nach zwei Stunden zwischen Lübecke und Süntel kam pünktlich der angekündigte Regen, der alle zur Landung am Heimatflugplatz zwang. Nachdem alle Flugzeuge zügig nach der Landung in der Halle verstaut waren, wartete bereits ein Frühstück auf die Frühaufsteher.

Man erwartete eine zweite Lücke gegen Nachmittag. Aber als Christine Grote mit dem zweiten Kaffee in der Hand auf die Terrasse ging, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen war schnell klar: die Chance ist jetzt!
Kurz noch einen Blick auf das Satellitenbild und die Doppelsitzer standen im Nu wieder am Start. Auch bei diesem Flug konnten trotz sogar noch schwächeren Bedingungen über 2 Stunden absolviert werden. Nachdem ein recht heftiger Schauer den Platz überquert hatte landeten auch die Crews wieder sicher, aber total begeistert auf heimischen Terrain.
Ein richtiges Rennfieber war ausgebrochen, die Flüge wurden auf den bekannten Segelflugplattformen hochgeladen und analysiert und zwei der 5 Flugschüler-Flüge schafften es sogar in die Bundesligawertung, ein Novum.
Ein weiteres nie dagewesenes Highlight war, dass bereits mittags um 13 Uhr, 5 Schüler gemeinsam 1000 Streckenflugkilometer in kumulierten 10 Stunden absolviert hatten. Der Rest des Tages und der Sonntag wurden für Theorieeinheiten genutzt.
Die nächste kleine Chance tat sich am Montag auf. Die Teams waren schnell gebildet. Die erste dreiviertel Stunde wurde zunächst gemeinsam am Platz gekreist. Mit 4 Flugzeugen in einem Aufwind, in ähnlichen oder gleichen Höhen zu fliegen ist für routinierte Piloten völlig normal, aber für die Neulinge war es eine echte Herausforderung. Nachdem man eine Chance sah gegen den starken Westwind los zu ziehen wurde dies auch gleich versucht. Geplant war: Rinteln, Bohmte Detmold und zurück.
Während die mit Hilfsmotor ausgestatteten Doppelsitzer etwas mutiger loslegen konnten, taten sich die reinen Segler etwas schwerer. Gleich bei Porta war klar, wenn sie jetzt weiterfliegen liegen sie in nur 15 Minuten auf irgendeinem Acker. Also ging es erst einmal wieder zurück nach Rinteln um von dort neu anzusetzen. Die Schauer und die anschließende thermiklose Luft führten aber dazu, dass die zwei Einsitzer sich nicht halten konnten und wieder in Rinteln landeten.
Den Doppelsitzern ging es auch nicht so gut, irgendwann war die Besatzung mit Tim Ackmann als Schüler und Tobias Schmohl als Lehrer derart tief, dass sie gezwungen waren über einem geeigneten Acker den Motor zu nutzen. Dieser sprang jedoch nicht an, ein Szenario auf das man immer vorbereitet sein muss, weswegen man auch immer einen Acker auswählt, auf dem man dann normalerweise nicht landet, da der Motor in der Regel anspringt. Doch dieses Mal musste er wohl oder übel genutzt werden. Die Entscheidungsabläufe gingen dann sehr schnell und Flugschüler Tim war mehr als froh, dass er dieses Abenteuer nicht alleine managen musste.


Nachdem die Crew sicher am Boden war, flog der zweite Doppelsitzer zurück nach Rinteln. Dort wurde eine tatkräftige Rückholmannschaft zusammen gestellt. Außenlandungen gehören nun mal zum Überlandfliegen dazu. So war auch dies wieder ein aufregender Flugtag für den Nachwuchs!
Der Rest der Zeit war leider wieder verregnet und theorielastig, aber so konnten mit Anwar Ismael-Khudida und Lukas Weihmann zwei weitere Schüler die B-Prüfung schreiben. Dies ist eine von drei theoretischen Zwischenprüfungen im Ausbildungsverlauf.


Am vergangenen Wochenende konnten die beiden dann zusammen mit Tim Ackmann, der die theoretische Prüfung bereits zwei Wochen früher bestanden hatte, die fliegerische B-Prüfung ablegen.
Es war für alle 10 Teilnehmenden etwas dabei.Von Erkenntnisgewinn, über spannende Erlebnisse bis hin zu bestanden Zwischenprüfungen.